Kreativität: Jeder kann es – aber auf Knopfdruck klappt es nicht

6 Tipps, abgeleitet aus Kognitionswissenschaften und  Co.

Wissenschaftler sind sich einig. Jeder kann kreativ sein. Und Kreativität ist trainierbar und erlernbar. Soweit so gut.


Aber wie kann es ermöglicht werden, dass in Innovationsprozessen jeder, vom Innovationsexperten bis zum Innovationslaien, schnell das Potential abrufen kann: Das kreative Potential, damit neue Ideen und Neues entsteht? Mindestens genauso wichtig ist auch ein gutes Gespür, was aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz jedes Einzelnen im jeweiligen Prozess hilfreich und wertvoll ist und dem kreativen Prozess Impulse  geben kann. Letzteres wiederrum setzt die Bereitschaft voraus, Wissen zu teilen. Und hier sind wir wieder beim Mindset. Deutlich wird: Für erfolgreiche Kreativprozesse im Innovationsmanagement, braucht es mehr als grüne Räume, Gummibärchen und Brainstorming. Wir haben für Sie 6 Punkte zusammengestellt, die aus unserer Erfahrung in zielführenden Kreativprozessen nicht fehlen dürfen und einen Tipp, wie sie vor Kreativprozessen die Teilnehmer „mental aufwärmen“ können.

Tipp 1: Zulassen, Freiheit & Akzeptanz

Kreativität entsteht dann besonders gut, wenn der Kopf frei ist. Entspannt optimistisch, sicher, ohne ökonomische Zwänge oder dem Gefühl, dass es irgendeinen impliziten Druck gib oder eine Erwartungshaltung. Daher beginnen wir mit einer Grundvoraussetzung von Kreativität: Kreativität muss zugelassen werden. Es bedeutet, dass allen Teilnehmern der Kreativprozesse von Führungskräften und der Geschäftsleitung deutlich gemacht wird, dass jede Idee Willkommen ist. Das gilt sowohl für die Kommunikation vor dem Prozess, als auch für den Umgang mit den entstanden Ideen nach dem Prozess. Die offene Wertschätzung JEDER Idee ist ein klares Signal für die Ernsthaftigkeit der Freiheitsbekundungen. Und mehr noch: Wenn im Unternehmensalltag sich nicht suzessive der Mindset des kreativen und freien Denkens etabliert, wird das Ergebnis künftigen Kreativprozesse bestenfalls eine Veränderung bereits Bestehenden sein.

Tipp 2: Das bummelnde Gehirn

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass sich die so genannten kreativen Aha-Erlebnisse vor allem in jenen Momenten einstellen, in denen wir uns entspannen und mental loslassen. Der Aktivitätsmdus des Gehirns ist quasi auf Null, fast ein Offline Modus. Und genau in diesem Bummelzustand, gehen Gedanken auf Wanderschaft. Das ist der Moment in dem Fantasie und Kreativität Raum greifen. Die Stunde für ungewöhnliche Ideen und gute Einfälle ist gekommen.
Unser Tipp: So banal es klinge mag, aber Spaziergänge, in denen Prozessteilnehmer einfach nur entspannen und vielleicht ein wenig sinnieren dürfen, sind eine fantastische Kreativeinheit. Und keinesfalls sollte man die Chance der „Duschkreativität“ verpassen. Fragen Sie immer am Morgen ab, ob es Teilnehmer gibt, denen eine Idee unter der Dusche gekommen ist.

Tipp 3: Das richtige Werkzeug

Mal ehrlich. Wie viele Bücher haben Sie im Schrank stehen, in denen Ihnen die 99 besten Werkzeuge für Kreativität und Innovation vorgestellt werden? Und wie viele dieser Werkzeuge haben Sie schon genutzt? Das liegt nicht etwa an der Qualität der Werkzeuge. Für Innovationsprofis sind die durchaus probat. Wichtig ist aber: Achten Sie auf den Komplexitätsgrad ihrer Kreativwerkzeuge und passen Sie die Werkzeuge immer an das Niveau des Teilnehmers an, der am wenigsten Kreativerfahrung hat. Und gut ist auch nicht immer was neu ist: MindMapping und Braindump sind immer noch gute Kreativwerkzeuge. Aber klar – auch wir lassen uns gerne inspirieren und greifen überzeugt zu Creability (Schäfer/Poeschel).

Tipp 4: Das Gold im Kopf des Einzelnen

Kreativprozesse im Team leben vom Wissen und den Ideen der Einzelnen, aber ganz besonders von der Kombination, vom Aufeinander aufbauen und vom klugen Zusammenbauen der Ideen, der individuellen Erfahrungen und des Wissens. Wichtig dafür: Der Einzelnen muss sich seines Wissens bewusst sein und das zum entsprechenden Zeitpunkt wichtige Wissen aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz präsent haben.
Ein guter Weg: Ermöglichen Sie den Teilnehmern vor der „offiziellen“ Kreativeinheit die Schatzsuche bei sich selbst. Das Problem liegt auf dem Tisch und jeder Teilnehmer darf in einer persönlichen MindMap für sich aufzeichnen, was er zu dem Thema weiß, was ihm einfällt – und dabei sollte auf keinen Fall das Privatleben ausgespart werden. Und wenn Sie es besonders gut machen wollen, lassen Sie die Teilnehmer gerne auch im Netz surfen, um relevantes, aber verschüttetes Wissen, zu dem es vielleicht den Schatten einer Idee gibt, wieder ans Tageslicht zu holen.

Tipp 5: Ohne Wollen kein Können

Beginnen wir mit dem Einfachen: Spaß. Wir sind doch nicht zum Spaß hier. Diese Bemerkung sollte aus unsere Sicht weder im Unternehmensalltag gelten (Warum darf Arbeit nicht Spaß machen?) noch darf sie für Kreativprozesse gelten. Wenn der Mund lächelt, lässt das Gehirn Neues zu. Aber Spaß hat nur der, der hinter der Sache steht. Und damit sind wir beim weitaus komplizierteren Teil. Dem Mindset. Und der kann in Kreativprozessen nicht plötzlich verordnet werden. Und Kreativprozesse sind auch nicht der Platz, im dem plötzlich Unternehmenskultur gemacht wird. Wichtig ist aber für jeden Teilnehmer sich seiner Haltung bewusst zu werden. Möglich wird das durch eine Methode des ressourcenorientierten Selbstmanagements: Das Züricher Ressourcen Modell. Mit dessen Hilfe wird jedem die eigene Haltung transparent und die ressourcenorientiertes Partizipation am Prozess wird möglich.

Tipp 6:  Kreativbooster

Und wieder die Wissenschaft: Sie zeigt, dass die Kreativität von Menschen kurzfristig angespornt werden kann, wenn das Gehirn überraschend positiv irritiert wird. Konfrontieren Sie Ihre Prozessteilnehmer daher mit kleinen überraschenden Denksportaufgaben, lassen Sie sie kreativ frühstücken und etwa das Brot auf die Wurst legen  oder – und das ist unsere Empfehlung, lesen Sie die Geschichte „Der Landarzt“ von Franz Kafka vor. Diese Geschichte beginnt scheinbar normal und nimmt im Verlauf so kuriose Wendungen, die unvereinbar sind mit unserer alltäglichen Logik. Damit startet unser Gehirn kurzfristig kreativ durch.